Predator: Badlands – Der beste Teil seit dem Original

Gegen Ende von Predator: Badlands fällt ein Satz, der länger nachhallt als jedes ikonische Brüllen und jeder Plasma-Schuss: „Ich könnte allein überleben. Aber warum sollte ich das wollen?“ Dieses kleine, beinahe beiläufige Bekenntnis – gesprochen von einem halbierten Androiden, festgezurrt auf dem Rücken eines Teenager-Predators – trifft den Kern dessen, was diesen siebten Eintrag so besonders macht. Badlands ist nicht nur (für mich) der zweitbeste Film der Reihe, sondern auch der radikalste. Er versucht nicht, den Arnold-Klassiker von 1987 zu übertrumpfen. Er macht etwas viel Mutigeres: Er entscheidet sich, etwas völlig anderes zu sein.

Regie führt erneut Dan Trachtenberg, der mit Prey schon gezeigt hat, dass in dieser totgejagten Franchise noch kreatives Blut steckt. Und Badlands räumt auf: kein Dschungel, keine Muskelberge, und – ja – nicht mal Menschen. Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren Predator-Filmen gibt es keine einzige menschliche Figur. Null. Und ausgerechnet deshalb ist es vielleicht der menschlichste Predator-Film überhaupt. Paradox? Total. Funktioniert? Überraschend gut.

Ein Held mit Dreadlocks und Mandibeln

Trachtenberg und Co-Autor Patrick Aison (ebenfalls Prey) bauen den Film um Dek herum: einen jungen Yautja (die Predator-Spezies, inzwischen offiziell und ziemlich detailreich ausgebaut). Unter Prothesen und digitaler Feinarbeit gespielt vom Newcomer Dimitrius Schuster-Koloamatangi.

Dek ist für seine Art zu klein. Ein Außenseiter. Ein „Runz“ – verspottet vom Clan, und vom eigenen Vater zum Tod verurteilt, in einer Szene, die unangenehm an die knallharte Spartaner-Eugenik aus 300 erinnert. Das hier ist nicht bloß „noch eine Jagd“. Es ist ein Coming-of-Age-Film, irgendwo zwischen Der König der Löwen, Dune und – ja, irgendwie auch – Der Gigant aus dem All.

Dek flieht nach Genna, einem urzeitlichen Höllenplaneten, auf dem dich wirklich alles fressen will. Auch die Pflanzen. Sein Ziel: den Kalisk zu töten – ein Monster, das sich regeneriert und praktisch unkillbar ist – und dessen Kopf als Trophäe heimzubringen, um endlich Respekt zu bekommen. Klassisches Predator-Zeug… zumindest auf den ersten Blick.

Aber dann kommt der Haken: Dek ist nicht allein.

Ein sprechender Rucksack und eine Bindung, die man so nicht erwartet

Seine Begleiterin ist Thia (Elle Fanning), ein beinloser Weyland-Yutani-Synthetic. Die untere Körperhälfte hat sie bei einer früheren, gescheiterten Begegnung mit dem Kalisk verloren. Thia ist trotzdem quicklebendig, voller Charakter, mit diesem speziellen Charisma, das nicht „aufgesetzt witzig“, sondern irgendwie… warm wirkt. Sie überredet Dek, sie auf seinem Rücken zu tragen. Er nennt sie „Tool“.

Der Anblick – ein Predator, der einen Androiden wie Gepäck herumschleppt, wie Chewbacca C-3PO in Das Imperium schlägt zurück – wäre ein reiner Gag. Wäre er nicht gleichzeitig so unerwartet rührend.

Fanning ist hier wirklich stark. Und zwar doppelt: Sie spielt auch Thias kühlere, stärker „corporate“ ausgerichtete „Schwester“ Tessa. Als Thia ist sie zwar auf Empathie programmiert, entwickelt aber etwas, das sich nach echter emotionaler Intelligenz anfühlt – und stellt Dek dauernd Fragen, die ihn nerven (und uns gleich mit): Was ist Stärke? Was ist Ehre? Und warum ist „allein durchziehen“ eigentlich so ein Fetisch?

Die Ironie sitzt perfekt: In einem Film ohne Menschen ist ausgerechnet eine Maschine die Figur, die am stärksten um „Menschlichkeit“ ringt.

Ein visuell umwerfender Alien-Western

Kamera führt Jeff Cutter (Prey, 10 Cloverfield Lane), und Badlands ist einer der visuell lebendigsten Blockbuster des Jahres. Genna wirkt wie ein atmender Albtraum: Rasiergras, plasma-saugende Insekten, Raubvögel, die selbst wie Predator-Versionen von Geiern aussehen.

Es gibt sogar eine Sequenz, in der ein fliegendes Biest Steine auf napalmgefüllte Pflanzen fallen lässt, damit diese explodieren und eine Art Feuerfalle entsteht. Das ist so ein herrlich „biologisches“ Worldbuilding, bei dem man sich kurz denkt: Warum macht Avatar sowas nicht öfter?

Trachtenberg inszeniert Action wie einen Fiebertraum aus Mad Max: Fury Road und Shadow of the Colossus: Dek prescht durch Alien-Stampeden, hackt sich durch Knochen-Bisons und schwingt dabei einen leuchtenden Säbel, der irgendwo zwischen Scimitar und „okay, das Ding will ich als Requisite“ liegt.

Die Brutalität ist da – aber clever an das PG-13-Rating angepasst: Viel Blut ist grün oder weiß, weil die Opfer eben Aliens oder Synthetics sind. Man merkt: Hier wird nicht weichgespült, sondern umgebaut.

Familie – die, in die man reingeboren wird, und die, die man sich sucht

Wenn John McTiernans Original davon handelte, wie Alpha-Männlichkeit durch archaische Angst zerlegt wird, dreht Badlands den Spieß um. Dek ist das Gegenteil von Dutch. Kein Muskelgott, kein Übermensch – eher ein Junge, der lernen muss, dass Stärke nicht dasselbe ist wie Grausamkeit.

Er startet mit dem Wunsch, seinen Wert über Gewalt zu beweisen. Und endet damit, dass er Mitgefühl und Loyalität über Blutdurst stellt. Das ist kein billiger Ausweg. Das ist… Wachstum. Punkt.

Auch „Familie“ wird nicht nur als Wort herumgeworfen. Dek und sein Bruder Kwei (Mike Homik) spiegeln in ihrer Dynamik einiges von Thia und Tessa. Und dann ist da noch Bud: ein schräger, hundegesichtiger, affenartiger Alien, der Dek nachäfft wie ein Kind, das seinen Elternteil kopiert. Klingt nach Comic Relief, ist aber mehr: Aus diesen Figuren wird ein kleiner Clan – nicht über Blut, sondern über gewählte Zugehörigkeit.

Musik, Sprache und das Risiko, nicht bequem zu sein

Der Score von Sarah Schachner (Assassin’s Creed) und Benjamin Wallfisch (Blade Runner 2049) nimmt nicht den einfachen Weg, Alan Silvestris ikonische Predator-Themen einfach zu recyceln. Stattdessen gibt’s viel Tribal-Perkussion und unheimliche Synth-Flächen – ein eigener Sound, der die mythische, emotionale Ebene des Films sauber trägt.

Und selbst die Sprache ist mutig: Dek spricht fast komplett Yautja – eine konstruierte Alien-Sprache, entwickelt von Linguist Britton Watkins (mit Unterstützung aus dem Umfeld der Na’vi-Sprachentwicklung von Avatar). Schuster-Koloamatangi bringt trotz – oder gerade wegen – der Prothesen eine rohe Körperlichkeit rein, die überraschend viel Gefühl transportiert.

Gegen Arnolds Original? Äpfel versus Knochen-Bisons

Schau: Predator (1987) bleibt in Sachen purer Genre-Wucht unantastbar. Dieser Film ist ein Glückstreffer – ein Reagan-era Survival-Kracher, irgendwo zwischen Alien und Rambo, mit Lines, die sich ins Popkultur-Gedächtnis eingebrannt haben.

Aber Badlands versucht gar nicht, das Original „zu schlagen“. Und das ist klug. Stattdessen macht er das nächstbeste: Er verändert das Spiel.

Wo Dutch dem Predator als ultimativem Ausdruck von „Männlichkeit“ gegenübersteht, ist Dek der erste Predator der Reihe, der diese Codes überhaupt erst ablehnt. Badlands fühlt sich an wie das, was Das Imperium schlägt zurück für Eine neue Hoffnung war: dunkler, weirder, philosophischer – und unter dem Spektakel erstaunlich zärtlich.

Eine neue Jagd – für eine Franchise, die einfach nicht totzukriegen ist

Predator: Badlands ist riskant, manchmal herrlich bekloppt, emotional erstaunlich reich – eine Space Opera, die sich als Monsterfilm tarnt. The Road Warrior trifft E.T., einmal durch den Wolf gedreht und mit einem Schuss Conan der Barbar obendrauf. Klingt irre. Ist es auch ein bisschen. Aber das Wunder ist: Es funktioniert.

Es ist der zweitbeste Predator-Film mit großem Abstand – und vielleicht der einzige, der später nicht nur wegen der Kills, sondern wegen seines Herzens erinnert wird. Ein Herz, das grün blutet und leuchtet.

Trachtenberg hat inzwischen drei Predator-Projekte verantwortet – Prey, Killer of Killers und jetzt Badlands – und mit jedem wird der Swing größer. Badlands ist nicht die lean-mean Perfektion des Originals. Aber er hat etwas ähnlich Seltenes: echtes Gefühl in einem Universum, das sonst gern nur Zähne zeigt.

Fazit

Für Fans von Sci-Fi-Action ist Predator: Badlands nicht bloß „ganz nett“. Es ist Pflichtprogramm. Der Film beweist, dass die Predator-Reihe nicht nur noch lebt – sie entwickelt sich. Und wenn das die Richtung ist, in die’s weitergeht: Ich steh als Erster an.


📽️ Hinweis zu meinen Reviews: Ich schaue alle Filme in meinem eigenen Heimkino – mit Marantz Cinema 70s Receiver mit Dolby Atmos Simulation, Jamo 7.1 Surround-Sound, einem JVC DLA-X35 Projektor mit einer 3 Meter großen Leinwand und echten Kinosesseln, die das Home Cinema in einen Saal verwandeln. Jede Kritik entsteht also unter Bedingungen, die so nah wie möglich am echten Kinoerlebnis liegen. Wie ich mein Home Cinema aufgebaut habe und warum es für mich das Herz des Filmgenusses ist, erfährst du hier:
Mein Heimkino-Erlebnis

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