
Eternity: David Freyne macht aus dem Jenseits eine Rom-Com mit Biss – und Herz
Manchmal kommt ein Film daher und grinst dich an, als hätte er gerade etwas ziemlich Unvernünftiges getan. Eternity ist so einer. David Freyne – der Mann hinter Dating Amber und The Cured – nimmt sich hier nichts weniger vor, als Tod, Nachleben, Liebe und Entscheidungslähmung in eine romantische Komödie zu pressen. Und ja: Das klingt nach einem Rezept für Tonlagen-Chaos.
Komischerweise funktioniert’s. Nicht immer geschniegelt, nicht immer wasserdicht, aber oft überraschend berührend. Stell dir vor, A Matter of Life and Death hätte einen kleinen Flirt mit The Good Place – und würde dann in einem Stapel alter Carole-Lombard-Screwballs wühlen, bis die Ärmel hochgekrempelt sind.
Ein Dreieck – aber in Warteschleife
Los geht’s mit einer Feier, die gleichzeitig Anfang und Ende ist: Larry Cutler (im Alter Barry Primus, in seiner „idealen“ jungen Version Miles Teller) verschluckt sich bei einer Gender-Reveal-Party an einem Pretzel. Zack. Schlussstrich. Ein paar Tage später folgt ihm seine Frau Joan (Betty Buckley, später Elizabeth Olsen) – Krebs.
Und dann: Wiedersehen. Nicht im Himmel mit Harfen, eher in einem Ort, der aussieht wie ein Bahnhof, ein Messegelände und eine Hotellobby, die sich auf einen seltsamen Kompromiss geeinigt haben. Dieser Ort heißt The Junction. Hier bekommt man genau eine Woche Zeit, um seine „Ewigkeit“ zu wählen. Einmal entscheiden, nie zurückspulen. (Na ja. Mehr dazu später.)
Der Haken ist allerdings nicht die Auswahl an „Welten“ – Paris World, Capitalist World, Smoker’s World und so weiter – sondern das Personal am Empfang: Joan wird nicht nur von Larry erwartet, sondern auch von Luke (Callum Turner), ihrem ersten Mann, der im Koreakrieg starb. Und der… sagen wir: seit 67 Jahren emotional geschniegelt bereitsteht, als hätte er die ganze Zeit auf „Weiter“ gedrückt und gehofft, irgendwann kommt die Szene.
Damit wird aus dem Afterlife-Gimmick plötzlich ein ziemlich menschliches Problem: Wählst du die Liebe, die du gelebt hast – mit all den Macken, dem Alltag, dem „Wir haben uns wirklich gekannt“? Oder wählst du die Liebe, die nie eine Chance hatte, sich abzunutzen, nie schief zu hängen, nie banal zu werden? Diese Art „perfekte Erinnerung“, gegen die man nicht fair kämpfen kann.
Das Jenseits als Expo – und es sieht verdammt gut aus
Das Worldbuilding ist eine der großen Stärken. Kameramann Ruairí O’Brien taucht The Junction in ein warmes, fast schmeichelndes Licht: halb sterile Corporate-Ästhetik, halb nostalgischer Traum. Und das Production Design von Zazu Myers macht aus dem Nachleben einen Spielplatz für Fantasie und Pointen.
Da gibt’s Smoker’s World („Weil Krebs dich nicht zweimal erwischen kann“) genauso wie Studio 54 World, Jurassic World, Library World (angeblich ungeliebt – warum auch immer, ihr Banausen), und natürlich Man-Free World, das so beliebt ist, dass es schon in gefühlt tausend Versionen weiterläuft. Diese Idee, das Metaphysische so bürokratisch-mundän zu behandeln, hat etwas herrlich Freches. Wie wenn das Universum sagt: „Klar, Ewigkeit. Bitte hier Nummer ziehen.“
Und ja, der Film hat Spaß. Viele kleine Sichtgags, Hintergrund-Spinnereien, cinephile Zwinkerzeichen – irgendwo weht When Harry Met Sally vorbei, anderswo ein Hauch Truman Show. Nichts davon wirkt wie „Schaut mal, wie clever wir sind“. Eher wie ein Regisseur, der seine Einflüsse mag und sie nicht versteckt.
Elizabeth Olsen trägt das Ganze – ohne zu drücken
Elizabeth Olsen ist hier das Zentrum, keine Frage. Joan muss witzig sein, ohne zur Sitcom-Figur zu kippen. Sie muss traurig sein, ohne den Film in Melodram zu ziehen. Und vor allem muss sie glaubwürdig machen, dass diese Entscheidung nicht „Team A vs. Team B“ ist, sondern ein innerer Knoten, der weh tut.
Olsen schafft das mit einer Leichtigkeit, die trotzdem Gewicht hat. Ein Moment ist sie scharf, trocken, genervt von dieser absurden Situation – im nächsten wirkt sie wie jemand, der plötzlich merkt, wie dünn die Wand zwischen Erinnerung und Schmerz ist.
Miles Teller spielt Larry angenehm zurückgenommen: kein Dauergrinsen, kein „cool guy“, eher ein Mann, der genau weiß, dass er hier möglicherweise verliert – und trotzdem nicht den Helden gibt. Callum Turner wiederum ist als Luke pures Old-Hollywood-Flair: charmant, ernst, ein bisschen zu schön, um nicht auch gefährlich zu sein (gefährlich für Herzensentscheidungen, meine ich).
Und dann sind da Da’Vine Joy Randolph und John Early als Afterlife-Koordinatoren – so eine Art Engel auf Schichtdienst, bewaffnet mit Sarkasmus, Papierkram und unerwarteter Wärme. Die beiden sind herrlich: bissig, schnell, trotzdem nicht bloß Klamauk.
Rom-Com, ja – aber mit existentiellem Nachgeschmack
Eternity ist im Kern eine romantische Komödie. Aber sie hat diese zweite Ebene, die immer mal wieder anklopft: Was ist ein „gutes Leben“? Was macht Liebe aus, wenn Zeit keine Rolle mehr spielt? Und was bedeutet „für immer“, wenn man plötzlich wirklich „für immer“ meint?
Im letzten Drittel wackeln ein paar Regeln. Das System, das anfangs so klar wirkt („eine Wahl, keine zweite Chance“), wird später etwas dehnbar. Und wenn man pingelig ist, merkt man die Nähte. Aber ehrlich: Der Film will nicht das Jenseits erklären. Er will Gefühle sortieren.
Besonders stark ist eine Szene in einem Art „Archivraum“, wo man Erinnerungen in lebendigen Rekonstruktionen ansehen kann. Das trifft einen leise, aber effektiv. Weil es diese simple, fiese Wahrheit freilegt: Das Beste am Leben ist oft genau das, was man erst begreift, wenn es vorbei ist.
Freyne bleibt nah dran, obwohl alles absurd ist
Was Freyne gut kann – und auch hier wieder zeigt – ist Intimität im schrägen Setting. Eternity hätte leicht zu niedlich werden können. Oder zu zynisch. Oder zu „High-Concept, wenig Seele“. Passiert nicht. Er hält die Balance: ein bisschen Melancholie, ein bisschen Klamauk, und dazwischen diese Momente, wo ein Satz plötzlich sitzt.
Das Drehbuch (mit Pat Cunnane) hat schöne Treffer: mal banal lustig („Niemand will Library World!“), mal überraschend bitter („Ich weiß nicht, wie man gegen eine Erinnerung gewinnt“, sagt Larry sinngemäß). Diese Mischung ist der Trick. Und sie trägt.
Fazit
Eternity ist eine Rom-Com, die sich traut, größer zu denken, als das Genre es oft erlaubt. Sie ist verspielt, manchmal ein bisschen zu glatt im Abschluss, aber insgesamt warm, witzig und – ja, verdammt – ziemlich zärtlich.
Wenn du Lust hast auf einen Date-Night-Film, der nicht so tut, als wäre Liebe nur ein hübscher Endpunkt, sondern eher ein kompliziertes, schönes Durcheinander, dann passt das. Und wenn du nach dem Abspann kurz still wirst, weil du an deine eigenen „Archivräume“ denkst: tja. Willkommen im Club.
By Jakob Montrasio 









