„Blues Brothers“ von John Landis: Der Film, der mir als Kind den Kopf weggeswingt hat

Ich war noch klein, als mein Vater die VHS rausgekramt hat. „Das musst du sehen“, hat er gesagt. Und was soll ich sagen? Ich hab’s gesehen. Und es hat mich von der Couch gefegt. Diese Coolness, diese Musik, diese absurden Action-Szenen – Blues Brothers war mein musikalisches Erweckungserlebnis. Keine andere Mischung aus Film, Wahnsinn und Soul hat mich je wieder so getroffen wie dieser. Bis heute spür ich die Vibration von Aretha, Ray und James in meinem Brustkorb, wenn ich an diesen Film denke. Und ja: Ich will auch eine Sonnenbrille, die ich niemals abnehmen muss.

Zwei Brüder, ein Auto, und eine göttliche Scheißidee

Jake kommt aus dem Knast. Elwood holt ihn ab. Die beiden müssen 5000 Dollar auftreiben, um das Waisenhaus zu retten, in dem sie groß geworden sind. Klingt simpel? Ja, ist es auch. Aber was Landis draus macht, ist pures Gold. „Wir bringen die Band wieder zusammen“ wird zur Odyssee durch Illinois, bei der sich gefühlt jedes Einsatzfahrzeug des amerikanischen Staates an ihre Fersen hängt. Sie treten in einer Country-Bar auf, versauen alles. Sie werden von Nazis gejagt. Carrie Fisher will sie umbringen. Und das alles nur, weil sie „eine Mission von Gott“ haben. Herrlich absurd.

Es gibt keine klassische Dramaturgie. Der Film ist eine Abfolge von irren Setpieces, die alle nur einem Ziel dienen: Musik zu machen, Chaos zu stiften und dabei so unfassbar lässig auszusehen, dass dir die Zunge am Gaumen klebt.

Coolness in Menschengestalt

Jake und Elwood sind keine Figuren. Sie sind ein verdammtes Statement. Schwarzer Anzug, schwarzer Hut, Sonnenbrille, kein Gesichtsausdruck – und trotzdem schreit jede Szene: Wir sind die Coolsten im Raum. Belushi als leicht verwahrloster, dampfender Vulkanschlund mit Zigarre. Aykroyd als trockener Taktgeber mit Hang zur Technokratie. Ihre Chemie? Elektrisch. Die beiden könnten eine Einkaufsliste vorlesen und ich würde ihnen den verdammten Plattendeal geben.

Und dann die Legenden drum herum: Aretha Franklin reißt mit Think die Küche auseinander – ich mein, come on, die Frau tanzt und schimpft gleichzeitig wie eine Göttin. Ray Charles zeigt, dass auch ein Blinder trifft – musikalisch wie beim Schießen. James Brown schleudert göttliche Energie durch die Luft wie ein funkender Moses. Jeder einzelne dieser Auftritte ist pures Film-Adrenalin.

Dreckig, kaputt, wunderschön

Dieser Film sieht aus wie eine Mischung aus Industriehölle, Endzeit-Fantasie und Gospel-Träumerei. Die Straßen von Chicago dampfen, die Autos splittern, das Licht ist dreckig. Aber gerade deshalb funktioniert’s. Das Bluesmobile – diese quietschende Polizeikarre aus der Hölle – wird zur Ikone. Und wenn es durch die Dixie Square Mall brettert, dann hältst du die Luft an. Nicht, weil’s spannend ist – sondern weil es so unfassbar bescheuert ist, dass es schon wieder brillant ist.

Alles wurde echt gedreht. Keine CGI, kein Greenscreen, nur echter, ehrlicher Blechschaden. Und das spürt man. Jeder Crash tut in der Seele weh – aber in einer guten Art. Wie ein Gitarrenriff, das mitten im Brustbein landet.

Ein einziges Halleluja

Der Soundtrack ist kein Beiwerk – er ist das Herz, der Puls, der Motor. James Brown schreit dir den Glauben in die Knochen. Aretha bringt dich zum Aufstehen. Ray Charles? Pure Lebensfreude. Und dann diese Jam-Sessions mit der Band, bei denen du das Gefühl hast, live dabei zu sein. Du spürst jeden Basslauf, jede Kickdrum.

Ich hab als Kind nicht mal verstanden, was die da singen – aber ich hab’s gefühlt. Bis heute. Und jeder dieser Songs begleitet mich durch mein Leben wie ein musikalischer Talisman. Wenn Minnie the Moocher läuft, ist alles andere scheißegal.

Glaube, Rebellion und verdammt gute Musik

Klar, das mit der „Mission von Gott“ ist ein Running Gag – aber irgendwo auch nicht. Jake und Elwood glauben daran. An ihre Mission, an die Kraft der Musik, an ihre Band. Und das reicht. Die Institutionen sind korrupt, die Polizei inkompetent, die Nazis lächerlich – aber der Blues? Der ist echt.

Der Film ist gleichzeitig anarchistisch und spirituell. Er lacht über Autorität, feiert Gemeinschaft und nimmt sich selbst nie ernst. Und genau das macht ihn so mächtig.

Musical trifft Auto-Apokalypse

Blues Brothers ist kein Musical. Es ist auch keine Komödie. Es ist ein verdammter Höllenritt mit Saxophon-Solo. Ein Roadmovie voller Absurditäten, eine Liebeserklärung an den Soul, ein postmoderner Slapstick-Orkan. Kein Film war je so wild, so frei, so egal-was-du-willst-ich-mach’s-eh-anders.

Vergleiche? Vielleicht Mad Max: Fury Road auf Crack mit Ray-Ban. Oder La La Land, wenn’s von Tarantino inszeniert worden wäre. Kurz gesagt: einzigartig.

Energie in Reinform

Belushi war ein Naturereignis. Seine Augen, seine Bewegungen, sein Wahnsinn – du kannst den Blick nicht abwenden. Aykroyd gibt ihm den nötigen Gegenpol. Und diese Nebenrollen! Carrie Fisher mit dem Raketenwerfer. John Candy mit seinem „Orange Whip? Orange Whip? Drei Orange Whips.“ Jeder ist on fire, jeder will einfach nur Spaß haben. Und dieser Spaß ist verdammt ansteckend.

Landis entfesselt die Hölle

John Landis hat hier ein Monster losgelassen. Kein Plan, keine Konvention, nur pure Kreativität und Größenwahn. Dass dieser Film überhaupt fertig wurde, grenzt an ein Wunder. Aber was am Ende rauskam, ist ein Mythos. Die Musiknummern sind wie Action-Szenen inszeniert, die Verfolgungsjagden wie Tanzchoreos. Und das alles mit einer Energie, die dir auch beim zehnten Mal noch die Schuhe auszieht.

Der geilste Kultfilm aller Zeiten

Blues Brothers ist kein Film. Es ist ein Lebensgefühl. Eine Mischung aus „Fick dich, System!“ und „Let’s groove!“. Er ist wild, unperfekt, laut, übertrieben – und verdammt nochmal einer der besten Filme, die je gedreht wurden.

Wenn du ihn noch nie gesehen hast, tu es. Wenn du ihn kennst: Schau ihn nochmal. Und denk an deinen Vater, der dir mit einer VHS gezeigt hat, was Coolness wirklich bedeutet.

5 von 5 – Weil kein anderes Meisterwerk mit so viel Chaos, Seele und Groove durch die Wand tanzt.

Oder wie Jake sagen würde: „Es sind 106 Meilen bis Chicago, wir haben einen vollen Tank, eine halbe Packung Zigaretten, es ist dunkel – und wir tragen Sonnenbrillen.“

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